smart home - smart city?

... alles so schön bunt hier !

ein Kommentar, launig bis tendenziös

Auf einer Fachtagung der Szene zur Markteinführung der Smart-Living-Technologie bemühte man kürzlich die Analogie des „Orchestrierens“. In diesem Stadium befände man sich nun miteinander. Zahlreiche Produkte seien vollständig ausgereift, die Netze in der Mache, es müsse alles nur noch ins Zusammenspiel gebracht werden. Anfüttern ist angesagt. Vergeblich gesucht, die Architekten – eben fortschrittsgehemmt – mal wieder. Deshalb müsse halt ein neuer Spezialist implementiert werden, der „Systemintegrator“. Er wisse wenigstens Bescheid und könne Kunden im Alltag bei – doch absehbaren – Problemen (hört, hört!) betreuen.

 

Deutschland soll nicht nur Konzertbesucher sein, sondern zu denen zählen, die die Musik spielen, und möglichst auch komponieren, global. Startkapital ist genügend vorhanden. Das Bundeswirtschaftsministerium nimmt Platz an der 1. Geige, auf den Notenständern liegen „Digitale Agenda“ und „smarte Förderprogramme“.

Naheliegende Rechtfertigungsmuster, wie im Fall zunehmender Mangelwirtschaft bei Pflegekräften (ambient assisted living - AAL) sind schnell bei der Hand: bloß „etwas gewöhnungsbedürftig“ oder ein „überschauberer Lernprozess“. Eine Kollegin brachte es im Gespräch spontan auf den Punkt: grausam und gruselig!

Um im Bild zu bleiben, Industrie 4.0 wird transponiert: Das Internet of Things (IoT) und Big Data sind ein und derselbe Harmoniekreis. Und weil es bereits das Negativ-Image gibt, wechselt man flugs in eine neue Tonart: schön, elegant und klug - nun eben „SMART“. Das knubbelige Auto entfaltete einen gewissen Kult, der Smartphone-Akku - wie immer leer. Trotzdem, Technik mit diesem Namen kann ja nur gut sein. Alles wird dem Menschen auf die Haut geschneidert – im wahrsten Sinne – oder noch näher? Seitens Big Money ist man absolut sicher, dass wir uns verhalten, wie die berüchtigten 1000 Fliegen. Nina hielt uns, als sie in den Westen „rüber machte“ den Spiegel vor: smartie-bunte TV-Welt. Doch spätestens 2013 muss uns allen aber klar geworden sein, diese Technik verlor schon Jahre zuvor ihre Unschuld – very smart!

Und die Architekten? Sie sollten die Schlafmützigkeit ablegen und an Standards mitwirken, statt später als „d-APP“ dazustehen mit Gratis-Haftung für Fehler eines Systemintegrators! Oder das Feld doch den typischen Machern in Goldgräbermentalität überlassen, denen mit den viel Nullen im Kopf? Hamelner Flötengedudel ist auch keine Lösung!

Diethelm Thielemann

Veranstaltungen zu Pro und Contra sowie allgemein zu Forschungsthemen: www.vja.de
Berichte über die Fachtagung: www.smarthome-deutschland.de
Deutsches Architektenblatt: Smart Home Fachtagung
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